Instrumentenvorstellung: Das Schlagzeug

Filed in Musik by on 15. Februar 2012

Das Schlagzeug, seit jeher Inbegriff, brachialer und rhythmischer Ausatung. Doch auf was knüppeln diese „Drummer“ eigentlich ein ? Folgender Bericht soll die Materie „Schlagzeug“ an alle Interessenten und nicht-Musiker vermitteln.

Allgemeines der Trommel

Als Trommel

bezeichnet man ein als Schlaginstrument genutztes Membranophon. Trommeln bestehen aus einem Schwingungserzeuger (Membran) und einem Luftraumresonator (als Zylinder, Fass- oder Sanduhrform ausgebildet). Die Grundtonhöhe ist abhängig vom Felldurchmesser, der Felldicke und der Spannung. Membranophone erschienen in Europa im Mittelalter und wurden hauptsächlich von Gaucklern und Spieleleuten eingesetzt.

Entstehungsgeschichte des Schlagzeugs

Wichtigster Ausgangspunkt, der Entstehung, ist die Jazzmusik, und somit ist New Orleans wegweisend für die Entwicklung des Drumsets. Diese Stadt wurde in den letzten Jahrhunderten durch viele verschiedene Nationen und Kulturen geprägt neben Spaniern und Franzosen, die das Gebiet vor den USA besaßen trugen die Sklaven aus Afrika und Indien viel zur Entwicklung bei.

Nachdem Bürgerkrieg (1862-1865) war die Armut bei den Militärmusikern groß, sie pfändeten ihre Instrumente bei Pfandleihern. In Folge dessen bot sich die Möglichkeit für schwarze Musiker diese Instrumente preisgünstig zu erwerben. Das Spielen brachten sie sich autodidaktisch, also von selbst, bei. So entstanden zahlreiche Kapellen in New Orleans. Typische Instrumente waren: das Kornett, die Posaune und die Klarinette aber auch Gitarren kamen zum Einsatz. In diesen, oftmals marschierenden, Gruppen waren auch zwei oder drei Trommler vertreten einer spielte die große Trommel (damals noch 26 bis 30 Zoll groß), der andere die Becken und der letzte im Bunde die kleine Trommel (Snare). Wenn nur zwei Trommler vorhanden waren bediente ein Mitglied die Becken und Bass Drum zugleich, indem er die Becken auf die große Trommel montierte.

Die Zusammensetzung der „Schlagzeugergruppe“ änderte sich nachdem im späten 19. Jahrhundert damit angefangen wurde auch auf Konzert- und Tanzveranstaltungen zu spielen. Um Kosten zu sparen beschränkte sich die Band auf nur einen Schlagzeuger. Diese versuchten nun eine Kombination zu erstellen die es ihnen ermöglicht alle drei Komponenten gleichzeitig zu spielen. Die kleine Trommel wurde auf einem Stuhl angebracht und es entstanden die ersten Ständer, die große Trommel, die zuvor getragen wurde, stellte man auf den Boden. Für die Bassdrum fehlte nun aber noch eine Möglichkeit sie mit den Füßen zum Klingen zu bringen. So erfand der Chicagoer Perkussionist William F. Ludwig (Gründer der Ludwig Drum Company) das erste Bassdrum-Pedal.

Schlagzeuglegende (Notation)

Bis heute gibt es noch keine standardisierte Notation für das Schlagzeugspielen, die sich durchsetzen konnte. Beinahe jedes Schlagzeug-Lehrbuch hat eine eigene individuelle Notation. Einige weit verbreitete Notationenarten lassen sich dennoch herausarbeiten.

Es wird anstelle der gängigen Notenschlüssel ein so genannter „neutraler“ Perkussionsschlüssel verwendet, da viele Bestandteile eines Drumsets nicht auf eine genaue Tonhöhe gestimmt sind. Und diese auch durch verschiedene Volumina der Trommelkessel äußerst variabel wären.

Eine gängige Praxis ist es die metallenen Komponenten (Becken, Glocken etc.) mit x-förmigen Notenköpfen darzustellen, während die eigentlichen Trommeln gewöhnliche Notenköpfe als Notation erhalten. Es ist ebenfalls gängig, die Teile des Sets, die mit den Füßen betätigt werden (Bass Drum, Hi-Hat) in den unteren Teil des Notensystems zu setzen, während die mit den Händen (bzw. Stöcken und Schlägeln) gespielten Figuren weiter oben notiert werden. Dies kann teilweise zu Irritationen führen, da die Hi-Hat sowohl mit der Fußmaschine als auch mit den Trommelstöcken zum Klingen gebracht wird.

Deshalb wird versucht, eine möglichst deutlich und klar lesbare Notation zu finden, da eine komplett ausgeschriebene Schlagzeugfigur in sehr komplex aussehen kann, auch wenn es sich um simplen Groove handelt.

Hier eine Legende mit einer, meiner Meinung nach, sinnvollen und einprägsamen Notation.

Das Schlagzeug

Das Schlagzeug besteht aus verschiedenen Schlaginstrumenten. Idiophonen, sogenannte „Selbstklinger“ wie Becken, sowie Membranophonen, dies sind „Fellklinger“, also alle Trommeln. Im Laufe der Geschichte haben sich heute folgende Komponente etabliert:

Kleine Trommel (Snare), Große Trommel (Bass Drum), Standtom, Tom toms, Hi-Hat und verschiedene Becken.(Erläuterung siehe vollgende Themenpunkte)

Die Maße der Trommeln und Becken werden in Zoll angegeben, hierbei ist 1 Zoll = 2,54 cm. Die untere Abbildung zeigt ein Standard-Set mit allen Komponenten, die im klassischen Sinne zum Schlagzeug gehören. Diese können natürlich je nach belieben des „Drummers“ aufgerüstet werden.

1 = Ride

2 = Standtom

3 = Tom toms

4 = Bassdrum

5 = Snare

6 = Hi-hat

Snare

Die kleine Trommel ist das Zentrum des gesamten Schlagzeugs, sie stellt das Herzstück des Drumsets dar. Die Snare entstammt der europäischen Militärmusik und besteht aus einem Kessel aus Holz (mehreren Lagen meist 6 bis 10), oder einem Metallkessel, welcher von beiden Seiten mit Fellen bespannt ist. Das untere Fell, das sogenannte „Resonanzfell“ ist dünner und im Gegensatz zum Schlagfell nicht aufgeraut („coated“).

Die kleine Trommel erhält ihren charakteristischen Klang durch eine Reihe parallel gespannter Drähte (Schnarrteppich oder Snareteppich), die entlang der Außenseite des Resonanzfelles, von einer Seite des Rahmens zur anderen, gespannt sind. Der Teppich wird bei jedem Schlag in Schwingung versetzt und schlägt zurück auf das Resonanzfell, wodurch der typische Klang der Snare entsteht und bei „Wirbeln“ einen dichten und vollen Klang erzeugt. Durch einen mechanischen Hebel kann der Teppich bei Bedarf entspannt werden, dadurch wird das „schnarren“ beendet. Der Durchmesser beträgt oftmals 14 Zoll, gängige Kesseltiefen sind 5 oder 6,5 Zoll.

Bass Drum

Die Große Trommel wird für die Erzeugung von tiefen Tönen genutzt. Bei jedem gängigen Drumset ist die Bass Drum das rhythmische aber auch visuelle Grundelement des Aufbaus. Sie hat in der Regel einen Durchmesser von 18 bis 24 Zoll, eine Tiefe von 14 bis 20 Zoll und wird mit einem, an einem Pedal montierten, Schlegel zum klingen gebracht.

Bei den Pedalen gibt es verschiedenen Ausführungen, die Mechanik bleibt jedoch immer die selbe: Durch das Treten auf die Grundplatte des Pedal wird die Bewegung auf einen Schlegel umgesetzt der dann auf das Schlagfell der Großen Trommel auf trifft. Es gibt aber auch Doppelfußmaschinen, die ein schnelleres Spielen ermöglichen, ohne die richtige ausgefeilte Technik zu besitzen, diese werden in der Metall- und Rockmusik häufig von den „Drummern“ eingesetzt.

An der Frontseite der Bass Drum ist oftmals, im Resonanzfel,l ein Loch angebracht, dieses soll einen zu intensiven Nachhall vermindern. Sie sollte außerdem nur an drei Punkten den Boden berühren, 2-mal über die Standfüße und einmal über das Pedal, um einen guten Klang zu gewährleisten.

Hi-hat

Die Hi-Hat (siehe Abbildung) besteht aus einem Beckenpaar (siehe folgender Punkt: Cymbals), das horizontal auf einem Ständer mit einem Pedal montiert ist. Dieses ermöglicht mittels eines Federzugs ein Öffnen und Schließen der Hi-Hat mit dem linken Fuß, der das Pedal betätigt.

Das untere Becken ist fest am Ständer angebracht, das obere hingegen ist an einer sogenannten „Clutch“ an einem Stab befestigt, der über den zuvor genannten Federzug nach unten gezogen wird um die Hi-hat zu schließen.

Becken (Cymbals)

Becken bestehen meist aus Bronzelegierungen. Am Set werden sie auf Ständern festgeschraubt und mit den Trommelstöcken zum klingen gebracht, der Klang variiert je nachdem ob mit der Kuppe oder dem Schaft gespielt wird. Sie erzeugen einen obertonreichen und lange nachklingenden Ton. Die Rohlinge werden maschinell gefertigt, die Weiterverarbeitung erfolgt schließlich per Hand oder ebenfalls vollautomatisch mit Maschinen.

Die Legierung besteht oftmals aus ca. 80% Kupfer und 20% Zinn, minderwertigere Becken werden meist aus Messing gefertigt.

Modelle

Crash

Das Crash Becken ist wohl das wichtigste, um während des Grooves Akzente zu setzen. Es hat üblicher- weise einen Durchmesser von 12-18 Zoll und wird in verschiedenen dicken gefertigt, die selbstverständlich Einfluss auf den Klang haben. Je dicker und größer es ist umso „schwerer“ und dynamischer erklingt das Crash. Dünnere erklingen hingegen feiner.

Ride

Ride Becken (siehe Abbildung) haben in der Regel einen Durchmesser von 18 bis 24 Zoll. Im Vergleich zu den Crash und Splash wird das Ride oftmals als Ersatz zu den Hi-Hats im Refrain eingesetzt. Da ihr Klang relativ stark definiert ist und der Nachhall eher kurz ausfällt.

Akzente können durch die sogenannte Kuppe gesetzt werden, diese befindet sich in der Mitte. Wird diese gespielt erklingt ein heller klockenartiger Ton. Spielt man dagegen den Rand an, wird der Obertonanteil entsprechend größer, und das Becken kann sich „aufschaukeln“.

Hi-Hat

Sie besteht aus zwei Becken(analog zu den Crash-Becken), dem oberen Top-Becken und dem unteren Bottom-Becken. Das untere Becken, ist dicker als das obere Becken und folglich auch schwerer. Der Durchmesser beläuft sich auf 12 bis 14 Zoll. Um ein schnelleres Entweichen der Luft zwischen dem Beckenpaar beim Schließen zu erreichen, produzieren einige Hersteller das untere Becken mit gewelltem Rand

Splash & Effektbecken

Splash-Becken (siehe Bild) sind in Art und Weise ungefähr vergleichbar mit Crash-Becken, allerdings sind sie im Durchmesser bedeutsam kleiner (etwa 6 bis 12 Zoll), deshalb weisen sie einen andere Klang-Charakteristik auf: Splash-Becken „sprechen“ rasch an, klingen hell, spritzig und hallen kaum nach. Aufgrund dessen werden sie zur Erzeugung kurzer, heller Akzente eingesetzt.

Effektbecken haben zusätzlich Nieten oder andere Objekte an dem Becken angebracht, die einen speziellen Effektsound zur Folge haben.

China

Das China Becken weist im Vergleich zu den bisher genannten Becken eine Besonderheit auf: Seine Kuppe ist nicht Rund sondern zylindrisch geformt. Der Durchmesser liegt meist bei 14 bis 24 Zoll. Das Klangbild ist mit dem eines Crash-Beckens vergleichbar, allerdings eher „schmutziger“ oder „roher“ und kürzer. China-Becken werden häufig für kurze, explosive Akzente oder Staccato -Figuren eingesetzt.

Trommelstöcke (Drumsticks)

Mit Hilfe der Trommelstöcke, auch Drumsticks genannt, erzeugt der Schlagzeuger Töne auf seinem Drum-Set. Hierbei gibt es verschiedene Hersteller und folglich auch eine Vielzahl an Ausführungen (siehe Bilder unten) und Größen. Die Maße sind teilweise genormt(7A,2B,5A usw.), weichen aber auch von Produzent zu Produzent ab. Sie sind in der Regel 32 bis 45 Zentimeter Lang.

Elektronisches Schlagzeug

Das elektronische Schlagzeug ist die digitale Variante des klassischen Schlagzeugs.

Es wird ebenfalls mit den üblichen Sticks und der Fußmaschine gespielt, allerdings werden die Töne elektronisch erzeugt und können über Boxen oder Kopfhörer ausgegeben werden. Zu diesem Zweck sind alle spielbaren Komponenten mit Abnehmern ausgestattet. Die eigentliche Signalerzeugung geschieht im Modul, mit dem alle Pads des E-Drumsets verbunden sind.

Vorteile

  • Beim Spielen entstehen nahezu keine Geräusche, sofern man das Set an Köpfhörer anschließt. Somit kann man auch üben ohne seine Umwelt zu stören oder zu verärgern.

  • Bei Auftritten muss das Schlagzeug nicht mit Mikrofonen abgenommen werden. So ist ein perfektes Abmischen gewährleistet, da die Dynamik überall im Raum nur von den Boxen ausgeht.

  • einfacherer Transport, da nicht so sperrig und massig

  • Die Klang-Charakteristik kann über das Modul, durch verschiedene Modi, schnell variiert werden.

 

Nachteile

  • eingeschränkte dynamische Änderungsmöglichkeiten

  • schlechte Simulation der Hi-Hat

  • bei billigen Modellen äußerst unrealistische Klangsimulation

  • gute Modelle sind deutlich teurer als akustische Schlagzeuge

Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Einblick gewähren.

Feel the groove …………..

Tags: ,

About the Author ()

Comments (3)

Trackback URL | Comments RSS Feed

Sites That Link to this Post

  1. blogsy.de - Das Netzwerk für Bloginhalte | 16. Februar 2012
  1. Keno sagt:

    Hi Mace,

    super Artikel – vielen Dank für die Infos.
    Hast Du wirklich sehr gut und übersichtlich gestaltet.

    Schöne Grüße aus Hamburg!
    Keno

  2. Mia sagt:

    Die Trommel hat Geschichte und diese geht mindestens bis ins 18. Jahrhundert in die USA. Durch Pfändungen kam man günstig an Musikinstrumente. Eine Band war schnell gegründet. Man erfährt, was für Bestandteile heute eine Trommel hat, und dass es eine kleine und eine große Trommel gibt. Auch das bestimmte Trommeln aus Holz sind, und Trommeln zum Beispiel mit einem bestimmten Fell überzogen sind, und an der Trommel befestigt werden. Die Noten für eine Trommel weichen von den Noten für Tasteninstrumente ab. Aber es gibt inzwischen Bücher, bei denen man das lernen kann.