Meinungsbericht Smartphone Huawei Ideos x3

Nur wenige technische Errungenschaften der jüngeren Zeit konnten so eine Welle der Innovationen lostreten wie Apple`s iPhone. Mittlerweile gibt es sogar Apps, die nichts können, aber tausende von Dollars kosten. Frei nach dem Motto: „Ich konnte mir das leisten“. Auf der Frankfurter Messe konnte man Firmenmitarbeiter beobachten, die ihr iPhone zärtlicher streichelten als manche Ehefrau. Selbst Kundschaft, die mit Kauf „drohte“ wurde nicht beachtet, weil man seinem Kollegen noch die neueste „App“ zeigen musste. Doch der Platzhirsch bekommt Konkurrenz. Und nicht etwa von Samsung, HTC oder Motorola. Ein Chinese schickt sich an, die Smartphone-Welt in ihren Grundfesten zu erschüttern. Doch kann das Huawei Ideos x3 dem amerikanischen Branchenprimus Angst einjagen? Ein Test wird das klären…

Das Huawei Ideos X3

Smartphones sind im Moment in der Welt der Handys das Maß aller Dinge und somit muss es natürlich ein solches sein. Nach ausgiebiger Recherche stößt man zwangsläufig auf das Ideos x3 des chinesischen Herstellers Huawei. Das x3 ist ohne Auszahlung der Lebensversicherung zu finanzieren und wirft mit knapp 99 Euro einen absoluten Kampfpreis in den Ring. Kennern ist die Firma Huawei im Bereich Netzwerktechnik ein Begriff. Das Handy wurde von „Lidl“ in den Geschäften verkauft und war bei Verkaufsstart innerhalb von Minuten ausverkauft. Der Ansturm war gewaltig und der Chinese ist in Kürze wieder über die Online-Shops von „Lidl“ und „Fonic“ verfügbar. Auch die Tchibo-Kette bietet das Smartphone ab nächste Woche in ihren Filialen an. Wie lange, bleibt abzuwarten. Die diversen Testberichte, die durchweg positiv sind, sorgen für ein Aufhorchen der Smartphone-Interessenten. Bei den renomierten Handy-Testseiten schoss der mobile Tausendsassa von Null in die Top 3 in der Beliebtheitsliste. Also trotzen wir dem negativen Ruf, und gehen heute mal zum Chinesen…

Der Packungsinhalt

Leider ist es zum Trend geworden, in die Verpackungen nicht mehr viel mehr als das Handy, das Ladekabel und mit etwas Glück noch ein Headset zu packen. Hier bildet auch der asiatische Hersteller keine Ausnahme. Im schlichten, vorwiegend weiß gehaltenen Karton lacht uns außer dem Smartphone eine Universal-USB-Netzteil und ein Mini-USB-Stecker entgegen. Mit dabei ist auch eine Kurzanleitung in Heftchenform, aber wer braucht die schon? Ein Handy ist prädestiniert für die „Learning by Doing“-Theorie. Mit dabei ist ebenfalls ein einfacher Kopfhörer. Packen wir es an und vor allem aus und sehen uns den neuen Hosentaschen-Begleiter etwas genauer an.

Das Aussehen

Das Ideos ist ein Smartphone in der klassischen Barrenform, was aber in dieser Klasse Standard ist. Auf den ersten Blick könnte es mit einem HTC verwechselt werden. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, das Handy verzichtet auf Metall am eleganten Case. Alles, auch der alufarbene Streifen, der quer über das x3 geht, ist aus Kunststoff. Das Handy ist aus einem Guss und nichts stört. Anders als bei vielen bekannten chinesischen Telefonen stören hier keine besonders breiten Spaltmaße. Nichts klappert oder knarzt.

Das Ideos verfügt über ein kapazitives Display, wie es auch das iPhone sein eigen nennt. Das bedeutet, dass der Bildschirm auf leitende Teile, wie es die Finger auch sind, reagiert. Vorteil dieser Technik ist das präzise Ansprechen des Displays auf Berührung. Das lästige Drücken entfällt. Der Nachteil dieser Technik ist, dass keine Eingabestifte verwendet werden können. Außerdem kann das Display nicht mit Handschuhen bedient werden. Ein Zoomen mittels Fingerbewegung ist wie beim iPhone möglich. Damit man beim Telefonieren nicht versehentlich eine Funktion aufruft, verfügt das Telefon über einen Sensor neben dem oberen Lautsprecher der ihm sagt, dass es mein Ohr und nicht mein Finger ist, der das Display streichelt.

Anders als beim Apple-Zugpferd ist das Display nicht aus Glas sondern aus Kunststoff. Dies wirkt weniger edel, lässt aber geschwungene Formen an den Kanten des Handys zu, was es nicht so klobig wirken lässt. Leider bedeutet Kunststoff aber auch eine höhere Anfälligkeit für Kratzer, als es bei Glas der Fall ist. Aber irgendwo musste der Rotstift angesetzt werden. Damit kann man, denke ich, gut leben. Trotzdem sollte das Handy in einer Hülle transportiert werden. Zusammen mit dem Kleingeld und dem Autoschlüssel in der Tasche aufbewahrt, hat man bald ein zerkratztes Display und keine Freude mehr an seinem kleinen Wegbegleiter.

Die Technik

Das Handy arbeitet mit Android 2.3, alias „Gingerbread“, der neuesten Version von Googles Betriebssystem. Wie bei Apples eigenem System können hier verschiedene Anwendungen, sogenannte „Apps“ heruntergeladen und genutzt werden. Viele davon sogar kostenlos. Das Portfolio an Apps ist schier unerschöpflich und es gibt für jeden Wunsch ein kleines Helferlein. Nahezu 300.000 Apps sind mittlerweile im Store erhältlich.

Unter der Haube werkelt ein Prozessor mit 600 MHz, der die täglichen Aufgaben überraschend schnell und erstaunlich ruckelfrei bewältigt. Es muss also nicht immer ein Dual-Core sein, damit man flott unterwegs sein kann. Lediglich bei hochauflösenden Videos merkt man vereinzelt ein Ruckeln. Aber Hand aufs Herz, Freunde…wer schaut mit seinem Handy längere Zeit Videos. Auch wenn es die iPhone-Jünger nicht gerne hören. Auf Dauer stellt das Surfen oder betrachten von Filmen auf einem nur handgroßen Handys keine Freude dar. Da bildet auch das Huawei keine Ausnahme. Zum Checken der Mails und gelegentlichen surfen auf der Lieblings-Homepage reicht ein Smartphone aber allemal.

Ein weiteres Feature, das eigentlich nur alibimäßig vorhanden ist und wohl dem Rotstift geopfert wurde, stellt die Kamera dar. Mit einer Auflösung von knapp 3 Mio. Pixel ist sie nicht mehr „State-of-the-Art“ und kann wirklich nur als Notlösung verstanden werden. Zumal auf eine LED-Leuchte verzichtet wurde. Somit kann man Aufnahmen bei schwachen Lichtverhältnissen schlicht vergessen. Auch hier merkt man, dass man es mit einem Handy für knappe 100 Euro zu tun hat. Dies sind aber erfreulicherweise die einzigen Merkmale, die mich mehr oder weniger neidisch auf ein iPhone blicken lassen.

Das Display ist mit 8,1cm (3,2“) in der Diagonale so groß wie das des iPhone 3GS, also absolut ausreichend. Die Darstellung ist klar und gut ablesbar, obwohl „nur“ 480×320 Pixel dargestellt werden. Das können andere Handys wie z.B. das Galaxy von Samsung oder das aktuelle iPhone noch besser, dafür ist man aber auch ein paar mehr Scheinchen los. Diese Geräte spielen nicht nur preislich in einer anderen Liga.

Mit dem Speicher haben die Chinesen ein bisschen geknausert und dem x3 nur 256 MB spendiert. Deshalb ist das Einlegen einer Speicherkarte unbedingt zu empfehlen. Zumal das Betriebssystem schon einiges an Speicher benötigt. So bleibt für sonstige Dinge wie Musik- oder Bilddateien nicht mehr viel Platz.

Etwas schwach auf der Brust ist der Akku, der im Dauerbetrieb nur einen Tag durchhält. Bei normaler Nutzung muss das x3 nach zwei Tagen an die elektrische „Tanke“. Hier wäre ein stärkeres Kraftwerk als das verbaute zu wünschen gewesen. Aber die Zeiten, in denen man sein Nokia 3310 nur jede Woche an die Steckdose hängen musste, sind zu Zeiten der Smartphones vorbei. Dieser stärkere Akku wird aber wohl in nächster Zeit auf dem Zubehörmarkt auftauchen. Wie übrigens auch Schalen in diversen Farben.

Die Ausstattung

Mit der Ausstattung haben die Chinesen anders als bei der Auflösung der Kamera und des Kunststoffdisplays nicht gegeizt. Das Handy hat alles an Bord, was ein Handy haben muss. Außer dem obligatorischen MP3-Player kann man auch auf einen Radio zurückgreifen, die Fußballbegeisterten wird es freuen. Auch erfreulich in diesem Zusammenhang ist die 3,5mm Kopfhörer-Buchse, mit der normale „Ohrstöpsel“ verwendet werden können. Leider ist diese Abdeckung dem Staub schutzlos ausgeliefert, wie übrigens auch die Ladebuchse. Hier wäre eine sauberere Lösung wünschenswert gewesen. Solche Öffnungen an einem Handy entwickeln sich nach kurzer Zeit als „Fusselgräber“.

Integriert ist auch ein GPS-Modul, mit der passenden Software aus dem Store kann das Handy somit als Navigationsgerät genutzt werden. Dank dem Betriebssystem aus dem Hause des Suchmaschinenriesen ist „Google Maps“ natürlich obligatorisch.

Für die Konnektivität mit dem weltweiten Netz ist HSDPA, UMTS sowie WLAN (bis 802.11 n) an Bord. Der Aufbau der Verbindung erfolgt schnell und unkompliziert. Auch hier haben die asiatischen Hersteller keine Stolpersteine in den Weg gelegt.

Das Handy hat alles, was man braucht. Was es nicht hat, braucht man nicht wirklich.

Fazit:

Um es gleich zu sagen. Einen iPhone-Killer haben wir hier nicht vor uns. Der will das Huawei aber auch gar nicht sein.

Der Zahnarzt unseres Vertrauens wird immer noch sein iPhone streicheln. Wer sich einen Maserati leisten kann, hat keinen Fiat in der Garage.

Wer aber ein Handy sucht, weil er die aktuellen Applikationen und soziale Netzwerke nutzen will und dabei auf Prestige verzichten kann, ist beim Huawei Ideos x3 wunderbar aufgehoben.

Die Chinesen haben ihre Hausaufgaben gemacht und müssen sich nicht mehr nur auf ihre „Dual-Sim“-Schiene und den „TV-Modus“ verlassen. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen der Käufer sich durch auf fünf Seiten immer wiederholende feste „Apps“ verschaukeln lassen musste.

Sie präsentieren ein Handy, das sich keine wirkliche Blöße gibt und seinem Nutzer das bietet, was ein Handy bieten soll. Und das zu einem Preis der konkurrenzlos günstig ist. Dabei weiß auch die Verarbeitung zu entzücken und lässt nicht wirklich Raum für Kritik.

Natürlich kann ich mit diesem Handy nicht vor meinem Nachbarn protzen, der zum Brötchen holen seinen Porsche-Cayenne an wirft. Und bei einem Meeting wird wohl kein Kollege neidisch auf mein Handy starren. Und es dürfte ebenso klar sein, dass bei einem Smartphone für einen knappen „Hunni“ gewisse Abstriche gemacht werden müssen.

Dafür kann ich das gesparte Geld nehmen und meine Frau schick und pompös zum Essen einladen, und das nicht nur ein Mal. Und wenn ich das Handy auf einer Messe verlegen sollte, muss ich mich nicht mit tausend Leuten streiten, ob es mein Handy ist.

Geiz kann eben doch geil sein und Stil kann auch dadurch gezeigt werden, das man nicht das möchte, was alle haben.