Philipp Lahm – Nachtreten mit literarischer „Blutgrätsche“

Filed in Allgemein by on 31. August 2011

Philipp Lahm ist der deutsche Vorzeigefußballer. Nicht nur, dass der Bayern-Profi der Liebling aller Schwiegermuttis wäre, er ist auf seiner Position einer der besten der Welt. Nun hat „unser“ Philipp in einem Anfall von Schreibwut seine „Memoiren“ herausgegeben. Dabei rollt er wie eine Bowlingkugel durch die aufgestellten ehemaligen Bundes- und Vereinstrainer. Doch tut er sich damit einen Gefallen?

Irgendwann kommt fast jeder Promi mal auf die Idee, ein Buch zu schreiben. Bei vielen weiß man nicht, warum sie es tun. Unter anderem bleibt mir die Intuition der Herren Boris Becker und Dieter Bohlen verborgen, uns an ihrem Leben in Form eines Buches teilhaben zu lassen.

Unter diesen Prominenten waren immer auch wieder mal Fußballer zu finden. Toni Schumacher und Lothar Matthäus sind in diesem Zusammenhang die Namen, die zuerst in den Sinn kommen. Und die sich mit ihren Büchern auch ins „Abseits“ gestellt haben.

Nun kommt ein neuer Fußballprofi dazu. Und was dieses Buch so besonders macht, ist die Tatsache, dass es ein Fußballer im Alter von 27! Jahren geschrieben hat.

Philipp Lahm, Aussenverteidiger bei Bayern München als auch in der Nationalmannschaft hat den Entschluss gefasst, uns mit einem Buch zu beglücken. Es ist zu erörtern, ob ein Fußballer, der die 30 noch nicht erreicht hat, die Lebenserfahrung aufbringt, ein Buch zu schreiben.

Dieses Buch jedoch ist es, dass die Medienwelt, insbesondere die „Bild“ seit Tagen beschäftigt. So war es die Bild, die Auszüge aus diesem Buch veröffentlichte. Und die hatten es in sich…

Was bisher zu lesen war, lässt den deutschen Fußballfan nur noch mit dem Kopf schütteln. Philipp Lahm schwingt die verbale Keule und drischt damit auf Kollegen und vor allem Trainer hemmungslos ein. So bekommen verdiente Bundestrainer wie Rudi Völler, Jürgen Klinsmann und Felix Magath ordentlich ihr Fett weg und werden unter anderem als system- und planlos bezeichnet. Auch der ehemalige Bayern-Trainer Louis van Gaal kommt nicht gut weg.

Wieso?

Die wichtigste Frage, die sich aufdrängt, ist das „Wieso“… Was hat Philipp Lahm, einen 27jährigen und vor allem noch aktiven Spieler bewogen, ein Buch zu schreiben? Auch ohne viel darüber nachzudenken, hätte es dem Spitzensportler auffallen müssen, dass dieses Buch bei seinen Kollegen nicht gut ankommen dürfte.

Was denkt ein Spieler, der auf dem Höhepunkt seiner Karriere ist, bevor er ein Buch schreibt?

Ich vermute, die Antwort ist ganz einfach…nichts!!

Philipp Lahm hat nicht nur gegen einen gewissen Ehrenkodex verstoßen, indem er Internas ungehemmt nach außen trägt. Er wirft Dinge in den Raum, die einfach mit einem Mindestmaß an guter Kinderstube nicht sein dürfen.

So rechnet er ausgerechnet mit den Trainern ab, die maßgeblich an seiner Karriere beteiligt waren. Felix Magath hat Philipp Lahm beim VFB Stuttgart geformt, als dieser von Bayern ausgeliehen war.

Auch Jürgen Klinsmann ließ keinen Zweifel am Vertrauen gegenüber Phillip Lahm.

Am wenigsten jedoch hat es Rudi Völler verdient, von Lahm in den Dreck gezogen zu werden. Rudi Völler kann man getrost als einen der fairsten Sportsmänner im bezahlten Fußball zählen. Völler stellte sich auch dann vor die Mannschaft, wenn diese absoluten Käse spielte. Man denke nur an die „Weißbierdiskussion“ mit Waldemar Hartmann. Und auch Rudi Völler ist an der steilen Karriere Lahms nicht unerheblich beteiligt.

Genau diese Trainer werden jetzt von Lahm angegriffen.

Dabei ist der Zeitpunkt von Lahm dermaßen unglücklich gewählt, wie es unglücklicher gar nicht geht.

Lahm ist der momentane Kapitän der deutschen Nationalmannschaft und hat mit guter Leistung und Mannschaftsgeist einen Respekt erlangt, der jetzt auf einen Schlag verloren sein dürfte. Ein Kapitän ist das Bindeglied zwischen Mannschaft und Trainer. Die Spieler müssen ihrem Kapitän vertrauen können. Dies ist bei Lahm nicht mehr der Fall. Wer vertraut ihm jetzt noch etwas an, ohne Angst, es wird nach außen getragen?

Auch bei den Bayern dürfte der Spieler gegenüber seinen Mitspielern viel an Kredit verspielt haben.

Die Vorwürfe gegenüber den Bundestrainern sind vor allem aber vollkommen haltlos.

Dazu muss man nur mal überlegen, wozu ein Bundestrainer eigentlich da ist. Der Trainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft dürfte wohl keinen Anlass haben, den Herren Fußballern das Fußballspiel zu erlernen. Dafür sind die Trainer in den Bundesligavereinen zuständig. Viel mehr ist es die Aufgabe des Bundestrainers, aus den Spieler der verschiedenen Ligen eine Mannschaft zu formen, die auf jeder Position optimal besetzt ist.

Die Aufgabe besteht mit Sicherheit nicht darin, mit der Mannschaft Spielsysteme oder Kondition zu üben. Der Trainer hat eine Idee und versucht, diese mit dem vorhandenen „Spielermaterial“ umzusetzen. Außerdem geschieht viel über Motivation, wie Klinsmann (in Zusammenarbeit mit Löw) bei der WM 2006 gezeigt hat.

Hinzu kommt noch, dass ein Bundestrainer die Spieler, außer bei großen Turnieren, höchstens ein paar Tage sieht. Was kann er in dieser Zeit anderes machen, als lockere Übungen und übermitteln seines Systems?

Übrigens ist es sehr verwunderlich, dass jeder Trainer seine Abreibung bekommen hat, ausgerechnet Jogi Löw, aktueller Bundestrainer, jedoch ohne Schelte davon gekommen ist. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

Aber auch den Bayern-Oberen sollte man in diesem Zusammenhang die Frage stellen dürfen, ob sie wirklich so naiv sind. Haben sie die Tragweite solcher Äußerungen seitens Philipp Lahm wirklich nicht vorhersehen können? Christian Nerlinger hat die Vorwürfe in einem Interview gleich bagatellisiert. Auch ein gewisser Affront gegen verdiente Mitstreiter und sehr kurzsichtig gedacht. Es bleibt abzuwarten, ob auch die Leistung bei Bayern München durch die hohen Wellen, die dieses Buch bereits vor Veröffentlichung geschlagen hat, Schaden nimmt.

Eines hat Philipp Lahm mit uns seit Montag jedoch gemeinsam. Er hat die Möglichkeit, sein Buch auch einmal zu lesen…offensichtlich hat er das vor Veröffentlichung noch nicht getan.

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