Der Fall Shell – Zeit schinden auf Kosten der Nordsee

Filed in Allgemein by on 17. August 2011

Wieder einmal tritt ein Mineralölkonzern negativ auf und macht durch Umweltverschmutzung auf sich aufmerksam Und wieder einmal erfährt der Mensch, der betroffen ist, nur häppchenweise, was passiert ist. Der Mineralölmulti Shell hat offenbar aus der eigenen Pleite mit der „Brent Spar“ in den 90er Jahren und der neuerlichen Katastrophe des Konkurrenten „BP“ nichts gelernt.

Wieder ist eine Ölplattform eines Mineralölmultis in aller Munde. Und erneut ist es eine Katastrophenmeldung die über die Nachrichtenticker der Welt rattert. Die Welt hat die Katastrophe im Golf von Mexiko, verursacht durch Konkurrent BP noch nicht richtig verdaut, da kommt die nächste Hiobsbotschaft auf uns zu.

Und wie bei BP im April 2010 ist es jetzt bei Shell ein Leck, dass die See auf Jahre verseucht. Zwar ist es im Gegensatz zum Golf von Mexiko nur eine vergleichbar geringe Menge, die dort in die Nordsee läuft, aber kann man in diesem Zusammenhang überhaupt von gering sprechen? Man muss kein Meeresbiologe sein um zu erahnen, was dieses Öl im Okösystem der Nordsee anrichtet. Bisher sind laut Shell knappe 200000 Liter Öl in die Nordsee gelangt. Nun sind es „nur“ noch 800 Liter pro Tag. Wobei der Pressesprecher von Shell gestern eine Zahl von 300 – 150 Liter nannte. Etwas genaues weiß also selbst dieser nicht, oder will es zumindest nicht kund tun.

Seit einer Woche wird die Nordsee durch auslaufendes Öl kontaminiert und die Informationen von Shell beschränken sich auf Kurzmeldungen auf der Homepage der Firma. Ob die Menge, die Shell angibt stimmt, darf stark bezweifelt werden.

Auch im Golf von Mexiko wurde die Zahl der auslaufenden Menge immer nach oben korrigiert, bis das erschreckende Ausmaß der Katastrophe bekannt war. Man hat den Eindruck, dass die Verantwortlichen immer die Hoffnung haben, das Problem regelt sich noch von selbst…bis es zu spät ist.

Doch diese Vorgehensweise hat System

Der Mensch hat gelernt, verschiedene Techniken und Ressourcen für sich zu nutzen. Dazu gehören Dinge wie Atomstrom, Öl und auch technische Errungenschaften. Wir haben aber scheinbar noch nicht gelernt, dass diese Dinge nicht zu hundert Prozent planbar und die Risiken kalkulierbar sind.

Katastrophen wie Tschernobyl, Fukushima, der Untergang der Kursk und die Verseuchung der Weltmeere durch leider fast schon regelmäßige Öl-Havarien haben uns eines Besseren belehrt.

Das tragische an diesen ganzen Katastrophen ist neben Opfern und Zerstörung der Natur die Tatsache, dass der Mensch immer noch nicht gelernt hat, die Allgemeinheit sofort und umfassend zu informieren. Bevor Informationen weitergegeben und dadurch eventuell Hilfe durch die Völkergemeinschaft erfolgen kann, wird versucht, das Problem alleine zu lösen.

Und das ist der Hauptgrund, warum die Informationspolitik so katastrophal ist. Das Ausmaß der Katastrophe wird so lange wie möglich im Verborgenen gehalten. Nur so kann man noch weitestgehend unbeobachtet von der übrigen Welt versuchen, das Problem in den Griff zu bekommen.

Beispiele dafür gibt es mehr als genug.

Nach Tschernobyl erfuhren sogar die betroffenen Menschen rund um den Reaktor erst von der Katastrophe, als es längst zu spät war. Hätte die Regierung gleich zugegeben, was passiert ist, wären etliche Menschen noch am Leben. Die europäischen Nachbarn wurden durch erhöhte radioaktive Werte auf die Katastrophe aufmerksam, nicht durch Informationen der russischen Regierung.

Auch der Untergang der „Kursk“ wurde so lange bagatellisiert, bis es für die eingeschlossenen Matrosen keine Rettung mehr gab. Wohlgemerkt, obwohl die Völkergemeinschaft längst ihre Hilfe angeboten hatte.

Fukushima wurde so lange es ging verharmlost, um noch zu retten, was längst nicht mehr zu retten war. Die Arbeiter, die eingesetzt wurden, hatten keine Chance.

Ölmultis und ihre besondere Stellung

Bei den Mineralölkonzernen haben wir eine andere Situation. Öl ist der wichtigste Rohstoff in unserer Zivilisation. Ohne Öl würde Anarchie und Chaos in kürzester Zeit regieren. Und genau das wissen die Konzerne. Sie haben quasi „Narrenfreiheit“. Sicher ist man als Verbraucher geschockt und denkt an die armen Tiere und das Ökosystem der Nordsee. Aber Hand auf`s Herz…fahren wir deshalb kein Auto mehr? Oder mähen wir den Rasen mit dem Benzinrasenmäher jetzt nicht mehr alle zwei Wochen sondern nur noch alle sechs?

Der Mensch ist von Natur aus bequem und wird trotzdem seine Brötchen beim 500 Meter entfernten Bäcker mit dem Porsche Cayenne abholen.

Wir boykottieren die Konzerne eine Weile und echauffieren uns darüber, dass wir für dumm verkauft wurden. Mit dem Gedanken „Denen zeigen wir es jetzt“ meiden wir die Tankstellen von Shell und BP für eine Weile und spüren ein temporäres Gefühl der Genugtuung.

Und was macht der Öl-Multi? Der bekommt kurz ein rotes Gesicht, schwört, dass beim nächsten Mal alles besser wird…und erhöht, nachdem Gras über die Sache gewachsen ist, den Ölpreis, um den Verlust wieder einzufahren. Im Übrigen mit Absprachen, die zwar verboten sind, aber trotzdem von allen geduldet werden.

Wir können die Katastrophen dieser Welt nicht gänzlich vermeiden, aber wir können lernen, sie besser zu bewältigen…gemeinsam.

Dieser Globus gehört uns allen…und deshalb haben wir alle ein Recht darauf sofort und umfassend mit allen Informationen versorgt zu werden.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass man schon heute bei den hiesigen Nachrichtenagenturen schon ziemlich weit nach unten scrollen muss, um Informationen über die aktuelle Situation zu erhalten. Deutschlands ältester Taxifahrer, Angela Merkel und Sarkozy sowie die Sexualpraktiken mancher Politiker haben die Verseuchung der Nordsee schon in der Prioritätenliste überholt.

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