Nachdem wir unseren Dacia Sandero nun schon 2 Jahre fahren, möchte ich einen kleinen Erfahrungsbericht dazu schreiben. Vielleicht kann ich damit jemandem helfen, der vor einem Kauf des kleinen Rumänen steht und noch zweifelt.

Warum Sandero?

Der Sandero sieht nicht wie ein ehemaliges „Ostblock-Auto“ aus, wie es beim Logan der Fall ist, sondern ist wirklich schön anzusehen. Er ist von vorne und von hinten eine hübsche Erscheinung. Die Klarglascheinwerfer vorne sehen aber noch eine Spur besser aus, als die Heckleuchten.

Wo bekommt man noch einen Neuwagen für unter 7000 Euro, der 3 Jahre Garantie mitbringt?

Unser Golf fing seinerzeit an zu mucken und die Abwrackprämie war äußerst verlockend. Inklusive der Prämie kostete uns der Wagen 5.000 Euro Basispreis.

Mir gefiel der Wagen von Anfang an. Nun musste ich meine Frau überzeugen. Also nix wie hin zum freundlichen Renault-Händler und das Auto meiner Frau zeigen.
Die Reaktion meiner Frau war…“das ist das Auto für 5.000 Euro??“

Ich sage ja und meine Frau ist Feuer und Flamme für den Wagen.

Der erste Eindruck

Die Probefahrt ist schnell gemacht und alles gecheckt. Natürlich darf man von einem Auto für jetzige € 6.900 (damals 7.500) Grundpreis keine Wurzelholzarmaturen erwarten. Der erste Eindruck ist dann aber gar nicht mal so schlecht. Alles ist da, wo es hingehört und einfach zu erreichen. Dass hier kein edles Material verwendet wurde, dürfte jedem klar sein. Der Dacia gibt nicht vor, etwas zu sein, was er nicht ist. Er ist Auto pur. Das Auto lässt sich präzise fahren und gibt dem „Piloten“ immer exakte Rückmeldung. Die Leistung ist natürlich nicht für den Nürburgring konzepiert, reicht aber für Stadt- und Landfahrten allemal. Auf der Autobahn bringt es der in Rumänien gebaute „Franzose“ auf knapp 170 Sachen. Auch das reicht.

Wir haben dann gleich den Wagen gekauft, den wir Probe fuhren. Es war übrigens der letzte, der verfügbar war. Der Parkplatz mit verkauften Autos, die schon zur Abholung gerichtet waren, war rappelvoll.

Die Ausstattung

Den Sandero gibt es in verschiedenen Ausstattungsvarianten. Unter anderem die Basisversion, die wir jetzt haben, in der keine Gimmicks drin sind. Mit an Bord ist aber ein ABS und zwei Airbags. Und da wären wir auch gleich beim Thema.

Wir haben keine Fotoalben mehr, wir haben Speicherkarten (die wir regelmäßig aus Versehen löschen), wir hören keine Platten mehr, wir haben MP3. Mittlerweile sind wir zu Sklaven der Elektronik geworden. Wir kaufen uns Autos mit Gadgets, die wir nicht brauchen um Leuten zu imponieren, die wir nicht mögen.

Ein Kollege von mir hat sich jetzt einen VW Touareg gekauft. In der Stadt wohlgemerkt!!

Unser Versicherungsvertreter fährt einen Porsche Cayenne, natürlich auch ein wichtiges Auto für den täglichen Stadtverkehr…

In unserer Gesellschaft vollzieht sich aber Gott sei Dank momentan ein Wandel. Die Leute haben die Schnauze voll von diesen hochtechnologisierten Kisten, in denen ein normal sterblicher nicht mal mehr die vordere Glühlampe ohne Fahrtenbuch auswechseln kann. Was haben unsere Autos heute nicht alles? ESP, Klimaanlage, Zentralverriegelung, Elektrische Fensterheber, Traction-Control, Anti-Schlupf-Regelung. Und was brauchen wir davon in der Stadt…? Richtig. Nichts.

Bei unserem ersten neuen Wagen, einem Peugeot 306 gab dieser ganze Schnickschnack nach kurzer Zeit den Geist auf. Für die defekte Zentralverriegelung wollte der Händler € 1.000 Euro abzocken. Die Klimaanlage war von Anfang an nicht richtig zu bedienen. Ein Mangel, den die Peugeot-Werkstatt auch nach Rücksprache mit der Zentrale nicht beheben konnte. Der Airbag des Peugeot krachte mir bei einer Fahrt zur Arbeit unvermittelt um die Ohren. Ohne Grund. Ich könnte die Mängelliste des 306 endlos fortsetzen. Einen Peugeot werden wir uns definitiv nicht mehr kaufen.

Der Sandero hat diesen ganzen Käse nicht. Es ist Auto pur. Und jeder, der das im Vorfeld weiß, der akzeptiert es auch. Als der Verkäufer die Motorhaube öffnete hatte ich Tränen der Freude im Auge. Man kann die Zündkerzenstecker und den Verteiler sehen. Für die Bedienung des Ölpeilstabes braucht man kein Seminar. Und vor allem möchte ich selbst bestimmen, was mein Auto haben soll und was nicht. Im Grunde reparierst du dieses Auto mit einem Steckschlüsselkasten und einem Schraubenzieher-Set. Fast habe ich mich in der Zeit zurückgebeamt gefühlt, als ich meinen VW Käfer noch mit einem Schraubenschlüssel und einer Damenstrumpfhose zum laufen brachte.

Und wie bewährt er sich jetzt im Alltagsgebrauch?

Die Höhe des Autos erinnert ein bisschen an einen kleinen Jeep, weil die Federelemente recht hoch sind. Das kommt daher, dass der Sandero für die ärmeren Länder konzipiert wurde, die Straßentechnisch nicht ganz so auf der Höhe sind wie die Industrieländer. Das Fahrwerk schluckt somit Unebenheiten einfach grandios. Bei uns sind die Straßen noch nicht ganz fertig im Viertel. Das heißt, es gibt einige Schlaglöcher zu beklagen. Während meine Nachbarn mit ihren Audis und BMWs im Schneckentempo darüber fahren, muss ich die Geschwindigkeit kaum merklich drosseln.

Das Platzangebot ist gigantisch. Eine riesige Kopffreiheit und unser Cousin, der fast 1,95 misst, sitzt hinten sogar noch bequem. Wenn ich mir vorstelle, dass manche noch mehr für einen Fiat Panda bezahlen, bei dem du das Gefühl hast, du sitzt in einer Konservenbüchse…ich kann es nicht verstehen.

Vor kurzem konnte ich den Kofferraum eines Twingo bewundern, der ja bekanntlicherweise teurer ist und aus dem gleichen Rennstall kommt. Ein Witz…Der Sandero hat einen Kofferraum, der den Namen auch verdient. Das einzige Manko ist die Tatsache, dass man die Rücklehne nur noch vorne klappen kann und nicht komplett flach umklappen kann. Außerdem ist sie nicht geteilt klappbar.

Die Servolenkung vermisst man zugegebenermaßen beim Rangieren im Stand. Während der Fahrt ist es aber sogar schön, wenn man spürt, dass man die Straße unter sich hat. Der Wagen wird von meiner zierlichen Tochter gefahren. Im Nachhinein würden wir bei einem nochmaligen Kauf die Lenkhilfe als einziges Extra in Betracht ziehen.

Die elektrischen Fensterheber vermisse ich nicht. Im Gegenteil, ich finde es super, dass die Fenster jetzt da stehen bleiben, wo ich es will. Versucht das mal mit elektrischen Fensterhebern.

Apropos elektrisch… Da unser Sandero in dieser Version serienmäßig kein Radio hat, musste ich nachträglich eines einbauen. Und ich hatte noch nie so leichtes Spiel. Die Kabel sind vorbereitet, die Antenne dran. In den Türen sind die Aussparungen für die Boxen schon drin. Einfacher geht es nicht mehr.

Der Spritverbrauch pendelt sich bei ca. 7 Litern ein. Der Motor stammt aus dem „Clio“ und ich erachte das als Vorteil. Wenn man bedenkt, wie lange der Clio schon gebaut wird, kann man wohl von einem ausgereiften Antriebsaggregat sprechen.

Und wenn ich nun ein exclusiveres Modell mag?

Mittlerweile gibt es den Sandero auch als „Stepway“, eine Art geländetauglicher Sandero.

Auch als „Duster“ ist der Wagen erhältlich. Dann

ist es ein Allrad-SUV mit einer Ausstattung, die serienmäßig schon viel besser ist. Natürlich lassen sich die Autos auch noch mit

allerlei Sonderzubehör aufmotzen. Cash is the Limit.

Würde ich den Sandero nochmal kaufen?

Jederzeit!! Wer jetzt noch zweifelt, sich dieses Auto zu kaufen, dem gebe ich gerne die Mängelliste innerhalb dieser 2 Jahre bis jetzt:

Achtung!!

(-)

Das war sie…

Es gab in dieser Zeit nicht einen einzigen Mangel.

Der Kritiker sagt dazu: „KeinWunder, ist ja auch nix dran, was kaputt gehen könnte“

Der Befürworter sagt dazu: „Genau deswegen habe ich den Wagen gekauft“