Schon wieder müssen die Großmächte zum Kampf gegen einen Diktator ausrücken, der vorher selbst „aufgerüstet“ wurde. Und schon wieder müssen hunderte wenn nicht gar tausende sterben, weil Geld wichtiger als Moral war.

Wie damals bei Bin Laden werden wieder Soldaten in einen Kampf geschickt, um einen Mann zu bekämpfen, der vorher von den Großmächten „aufgerüstet“ wurde. Anders als Bin Laden wurde Gaddafi jedoch von wesentlich mehr beteiligten Nationen mit Waffen versorgt.

Muammar Gaddafi, der Ende der 60er Jahre durch einen Putsch an die Macht Libyens kam, war noch nie als Verfechter von Menschenrechten bekannt.

Öffentlich kündigte er an, politische Gegner zu liquidieren. In den Siebzigern wurden ihm Kontakte zur RAF nachgesagt.

In den 80ern wurde durch eine Anweisung des damaligen US-Amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan die Hauptstadt Lybiens, Tripolis bombardiert. Grund war der Bombenanschlag auf die Berliner Diskothek „La Belle“, der im Auftrag Gaddafis ausgeführt worden war.

Auch die Sprengung einer Passagiermaschine über dem schottischen Lockerbie wurde von Gaddafi angeordnet und auch später von ihm zugegeben.

Insgesamt werden Gaddafi immer wieder Verbindungen zum internationalen Terrorismus nachgesagt.

Außerdem gab der Diktator bekannt, dass Libyen an der Entwicklung von Atomwaffen arbeitete, dies aber nach Aussage Gaddafis eingestellt hat.

Trotzdem wurde der Diktator bis vor kurzem noch von nahezu sämtlichen westlichen Staatsoberhäuptern mit dem roten Teppich empfangen und hofiert, so gut es nur ging.

Es wurden lukrative Verträge mit der Rüstungsindustrie geschlossen.

Die Liste der Staatsmänner, die auf Fotos mit Gaddafi zu finden sind, liest sich wie das „Who is who“ der Politik:

  • Tony Blair
  • Gerhard Schröder
  • Wladimir Putin
  • Nicolas Sarkozy
  • Silvio Berlusconi
  • Guido Westerwelle

Die Liste ist bestimmt nicht vollständig, zeigt aber, dass Gaddafi ein gern gesehener Gast in den Schaltzentralen der westlichen Länder war. Und natürlich auch Putins Russland.

Bei diesen Treffen wurden wichtige Verträge geschlossen. Natürlich immer mit dem Wissen, dass Libyen über eines der wichtigsten Güter unserer Zivilisation verfügt… ÖL !!

Da nimmt man es auch gerne in Kauf, dass man eine militärische Zeitbombe mit Waffen und Know-how aus dem Westen versorgt.

Wie damals bei Bin Laden, der von den USA mit Waffen für den Krieg in Afghanistan ausgerüstet wurde, ist auch Gaddafi von uns selbst „aufgerüstet“ worden.

Wie naiv muss man sein, wenn man annimmt, dass diese Waffen nicht auch für solche Zwecke wie die jetzigen eingesetzt werden. Vor allem bei einem Mann wie Gaddafi?

Männer wie Gaddafi wollen eines…Macht. Und die wird mit allen Mitteln verteidigt. Notfalls auch gegen das eigene Volk, wie die Bilder aus Libyen beweisen. Der Wechsel an der Macht, der kurz zuvor in Ägypten stattgefunden hat, ist bei einem ehemaligen Putschisten wie Gaddafi nicht möglich. Mubarak hat die Aussichtslosigkeit seiner Situation erkannt und ist nach einem kurzen Aufbäumen gewichen. Der Libysche Staatschef wird dies niemals tun und vielleicht bis zur letzten Patrone kämpfen. Auch gegen das eigene Volk.

Dass die Völkergemeinschaft, wie jetzt durch die NATO eingreifen musste, war abzusehen. Gaddafi wird seinen Platz nicht freiwillig räumen, das hat er unmissverständlich klar gemacht. Und die Waffen, die der Diktator jetzt gegen die Rebellen aus dem eigenen Land einsetzt, kommen vorwiegend von den Mächten, die ihn jetzt zuerst aus der Luft und später wohl auch am Boden bekämpfen.

Spätestens als Gaddafi Kampfbomber gegen das eigene Volk einsetzte, musste eingegriffen werden. Die Rebellen, meist mit Kalaschnikows ausgerüstet, haben gegen Kampfbomber und schwere Raketen keine Chance.

Und als ob das nicht genug wäre, tut sich jetzt auch Widerstand gegen die von Frankreich praktizierte „Kommandantur“ dieser Aktion auf. Und das, obwohl Frankreichs kleiner mächtiger Mann, Sarkozy damals einen besonderen Staatsakt aus Gaddafis Besuch in Paris machte. So groß, dass sogar das französische Volk aus Protest auf die Straße ging.

So droht Italien aufgrund des französischen Vorpreschens schon damit, seine Stützpunkte auf Sizilien nicht mehr zur Verfügung zu stellen, wenn es kein offizielles Nato-Mandat für die militärische Aktion gibt. Auch die Türkei ist Sarkozy aufgrund dieser Aktion nicht gerade wohl gesinnt.

Vielleicht sollte endlich mal ein Umdenken stattfinden. Es kann nicht sein, dass in der Politik nach dem Grundsatz „Zuerst das Fressen, dann die Moral“ gehandelt wird, und bewiesene Menschenverächter mit allen Ehren empfangen werden.

Es kann nicht angehen, dass Soldaten, die ihrem Land dienen, mit Waffen bekämpft werden, die vorher durch die Politiker verkauft wurden. Waffen, die auch gegen Frauen und Kinder gerichtet werden, um Machtansprüche zu verteidigen.

Gefallene Soldaten, um die ihre Mütter weinen, können schon im Vorfeld vermieden werden. Männern wie Gaddafi und anderen Diktatoren darf kein Forum gegeben werden. Und vor allem dürfen keine Waffen an solche Leute verkauft werden.

Das perfide an dieser Situation ist aber, dass hier auch wieder die Waffenindustrie der Gewinner ist. Denn sie verkauft zweimal. Zum einen an Männer wie Gaddafi und zum anderen an die NATO, die gegen diese Männer mit ihren Soldaten kämpfen muss.

Genau genommen verkauft sie sogar dreimal…die Moral wird bei dieser Gelegenheit gleich mitverkauft.