Die ganze Welt schaut auf Fukushima

Seit dem verheerenden Unglück in Japan sind Atomkraftwerke wieder in aller Munde und schüren Angst und Unbehagen auf

der ganzen Welt. Wie auch nach Tschernobyl mobilisieren die „Energiespender“ tausende von Menschen und werden auch zum politischen Zankapfel.

Nachdem sich jahrelang niemand mehr um die Laufzeitverlängerung gekümmert hat, fordert man nun aus allen politischen Lagern vehement die Abschaltung der Atomkraftwerke und eine Rücknahme eben dieser Verlängerung.

Aufgrund des Drucks in der Bevölkerung musste jetzt schnell und beruhigend gehandelt werden.

Nach dem atomaren Super-Gau in der Ukraine war es bekannt, dass Kernkraftwerke ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen. Der Verzicht auf die Kernkraftwerke wurde von der vormaligen Rot-Grünen Regierung schon entschieden. Trotzdem wurde von der jetzigen Regierung als eine der ersten Maßnahmen ein Ausstieg vom Ausstieg beschlossen. Wohl wissend, wie gefährlich diese Reaktoren sind. Nun vollzieht die gleiche Regierung wieder die Kehrtwende.

Als sofortige Maßnahme beschloss die Adminstrative unter der Leitung von Kanzlerin Merkel, in einem dreimonatigen Moratorium einige Kernkraftwerke vom Netz zu nehmen.

Geplant ist es, alle Kernkraftwerke vom Netz zu nehmen. Im ersten Schritt sollen die Werke ausgeschaltet werden, die am ältesten oder anfälligsten sind.

Doch können wir uns das überhaupt leisten?

Viele, die eine Abschaltung der Reaktoren verlangen, wissen gar nicht wie so ein Kernkraftwerk funktioniert.

Grob umrissen funktioniert ein Kernkraftwerk so:

Der Strom wird aus Generatoren gewonnen, die von Turbinen gespeist werden. Diese Turbinen werden durch Wasserdampf angetrieben.

Der notwendige Wasserdampf entsteht durch die eine Kernspaltung, die im inneren des Atomreaktors erzeugt wird. Bei diesem Vorgang wird angereichertes Uran mit Neutronen beschossen, die eine Kernspaltung und Kettenreaktion verursachen.

Das Uran befindet sich in Form von Tabletten in den Brennstäben. Bei dieser Spaltung entsteht extreme Energie in Form von Wärme, die Wasser erhitzt. Das Wasser dient auch gleichzeitig als Bremse für die Kettenreaktion, da es diese „im Zaum hält“ Dies ist auch der Unterschied zur Nutzung, wie sie bei einer Atombombe entsteht. Dort wird die Reaktion ungebremst ausgeführt. Die Folgen sind bekannt.

Solange dieser Vorgang im Reaktorkern entsteht, ist diese Energiegewinnung auch eine, abgesehen von den radioaktiven Abfällen, saubere Sache. Radioaktiv verseucht ist nur das Wasser im internen Kreislauf, das durch die Reaktorhülle vom Wasser der Dampferzeugung getrennt ist.

Der Dampf, der aus den Kühltürmen tritt und von weitem schon zu sehen ist, hat keine radioaktive Belastung.

Um eine unkontrollierte Überhitzung der Brennstäbe zu vermeiden, wird der Reaktorkern permanent mit Wasser aus einem zweiten Kreislauf gekühlt. Ein Grund dafür, dass Atomkraftwerke immer in Nähe von Meeren oder Flüssen zu finden sind.

Was lief nun in Japan schief?

Durch die Erdbeben riss die Stromversorgung und auch die Wasserleitungen zum Kühlen des Reaktors wurden in Mitleidenschaft gezogen. Nun kann man ein Atomkraftwerk nicht einfach ausschalten wie das Schlafzimmerlicht. Selbst im abgeschalteten Zustand sind die Brennstäbe noch weiter aktiv und erhitzen sich. Ohne Kühlung mit fatalen Folgen, wie man jetzt im betroffenen Werk in Fukushima sieht. Die Explosionen, die dort zu sehen waren, wurden durch den Wasserdampf erzeugt, der nicht mehr planmäßig abgeführt werden konnte. Der Reaktorkern war bis vor kurzem noch unbeschädigt. Aber auch dies scheint jetzt anders zu sein. Strahlung tritt bereits aus und wird die Umgebung auf Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte unbewohnbar machen.

Noch kämpfen die Japaner einen wohl aussichtslosen Kampf gegen die Gesetze der Physik.

Doch ist ein Ausstieg aus der Kernenergie bei uns so schnell möglich?

Um dies zu beantworten muss man sich die Verteilung der Stromerzeugung genauer ansehen:
Momentan wird der Strom der Deutschen in etwa so erzeugt:

  • Braunkohle 24%
  • Kernenergie 22%
  • Steinkohle 18%
  • Erdgas 12%

Der Rest von etwa 24 % verteilt sich auf die übrigen Energieträger wie Mineralölprodukte, Wasserkraft, Biomasse, Windkraft und Photovoltaik. Von diesen 24 % entfallen etwa 10 % auf regenerierbare Energien.

Man sieht also, welchen Anteil Kraftwerke haben. Dabei sind es nicht nur die Atomkraftwerke, die hier bedenklich sind. Die Kohlekraftwerke verpesten mit ihren Abgasen die Umwelt nicht minder und werden in der Diskussion momentan nicht erwähnt.

Eine Energiegewinnung aus erneuerbaren Energien kann im Moment nur ein Beitrag sein, ein Ersatz ist sie zum jetzigen Zeitpunkt (noch) nicht.

Die Politik neigt immer dazu, das zu schreien, was das Volk momentan hören will. So hat zum Beispiel der Ministerpräsident Baden-Württembergs Stefan Mappus vor einiger Zeit noch die Laufzeitverlängerung der AKWs verteidigt. Nach dem Vorfall in Japan hat er jedoch eine komplette 180 Grad Drehung vollzogen und fordert nun eine baldige Abschaltung. Das ihm das zur bevorstehenden Landtagswahl einige Prozentpunkte kosten wird, ist sicher.

Es ist gefährlich, dem Bürger auf populistische Art etwas vorzugaukeln, was schlicht noch nicht machbar ist. Ein hochindustrielles Land wie Deutschland ist momentan auf die Energie der Atomkraftwerke angewiesen. So wie es Japan auch ist.

Bei einem sofortigen Ausstieg wären sofort ca. 25 % der Energie nicht mehr verfügbar. Zählt man die Kraftwerke, die mit Kohle angetrieben werden und die Umwelt nicht unwesentlich belasten dazu, fielen nochmals ca. 40 % weg. Dieser Wegfall von 65% kann zur Zeit nicht durch andere Quellen ersetzt werden.

Was wäre die Folge?

Eine sofortige Abschaltung würde für jeden Bürger momentan einen drastischen Einschnitt bedeuten. Da eine Verknappung eines Gutes dessen Preis anhebt, würden die Strompreise explodieren. Fehlende Energie müsste notfalls aus dem Ausland eingekauft werden. Und wie wird diese vorwiegend produziert? Richtig!! Mit Atomkraftwerken.

Wir machen uns hier Gedanken über unsere radioaktiv belastete Zukunft und wollen die Kernkraftwerke abschalten. Der Strom, der dann eingekauft werden muss, wird vermutlich durch Kraftwerke erzeugt, die noch maroder und älter als die unsrigen sind.

Ich wohne im Badischen im Schwarzwald. Wir haben hier ein KKW der Franzosen in der Nähe (100 km) Das ist näher als jedes deutsche Kraftwerk. Kenne ich die dortigen Sicherheitsbestimmungen? Weiß ich, wie sicher das Kraftwerk ist? Nein !

Was muss die Zukunft bringen?

Ein Umstieg auf erneuerbare Energien ist für die Zukunft garantiert der richtige und auch einzige Weg. Laut eines Gutachtens kann die komplette Energie der fossilen und atomaren Kraftwerke aber erst 2050 von erneuerbaren Energien erzeugt werden. Ein Umdenken muss natürlich stattfinden, da fossile Brennstoffe nicht unendlich verfügbar sind und wir die Natur an unsere Kinder „vererben“.

Dieser Umstieg muss aber global erfolgen. Es nützt nichts, wenn ein Land wie Deutschland seine Atomkraftwerke ausschaltet, aber im restlichen Europa noch munter weiter mit Kernspaltung Strom produziert wird. Nur wenn alle an einem Strang ziehen, können wir solche schrecklichen Unfälle wie in Japan und Tschernobyl in Zukunft vermeiden. Verhindern können wir sie nämlich nicht.

Interessant ist es auch zu wissen, dass sich schon einige Regionen gegen eine „Verunstaltung“ ihrer Landschaft mit Windrädern ausgesprochen haben. Windkraft wird gerne genommen, solange sie auf dem „Nachbargrundstück“ steht.

Lobenswert ist dabei natürlich trotzdem, dass Deutschland hier eine Vorreiterfunktion einnehmen würde. Aber alleine schon die Tatsache, dass unser direkter Nachbar Frankreich schon durch Präsident Sarkozy verkünden ließ, die Kernkraftwerke wären absolut sicher, zeigt doch schon den Willen der Nachbarländer, hier mitzuziehen.

Im Zuge der Diskussion, die durch das tragische Unglück in Japan entstanden ist, werden andere atomare Zeitbomben, die in Deutschland längst ticken, gerne unter den Teppich gekehrt.

So ist z. B. das Atommülllager „Asse“ in Niedersachsen eine tickende Zeitbombe, die jeden Moment „hochgehen“ kann. Dort lagern über 120.000 Fässer mit radioaktivem Inhalt in einem maroden Stollen. Die Fässer wurden in den 70er Jahren chaotisch entsorgt und der Stollen ist durch Wassereinbruch höchst einsturzgefährdet. Wenn diese Deponie kippt sind die Folgen verheerend. Die Problematik dort ist bekannt und wird von den Politikern gerne von einem Verantwortlichen zum nächsten geschoben.

Wir müssen etwas tun, aber blinder Aktionismus im Zuge von bevorstehenden Wahlen ist nicht der beste Weg.

Frau Merkel, übernehmen Sie…