Lena…oder die Kunst aufzuhören, wenn es am schönsten ist…

Filed in Musik by on 22. Februar 2011

Das Jahr 2010 hatte zwei Anlässe, die das deutsche Volk in kollektiven Freudentaumel versetzte und den Ausnahmezustand mit sich brachten.

Zum einen war dies die grandiose Vorstellung der Fußball Nationalmannschaft in Südafrika und zum anderen war es ein junges Mädel namens Lena Meyer-Landrut aus Hannover.

Dieses damals 19jährige Frohgemut schaffte etwas, was hier in Deutschland wohl niemand mehr für möglich gehalten hatte. Sie gewann den European Song Contest und holte die Krone nach 28 Jahren wieder in die Bundesrepublik. Ein Kunststück, dass vor ihr nur Nicole 1982 mit „Ein bisschen Frieden“ schaffte.

Stefan Raab hatte zuvor einige Male versucht, den Contest mit mehr oder weniger Erfolg zu gewinnen. Entweder stand er selbst auf der Bühne und gab Perlen wie „Wadde Hadde Dudde da“ zum Besten, oder aber es traten Künstler mit seinen Werken auf. Unter anderem Guildo Horn, der es ebenfalls auf die „lustige“ Schiene versuchte. Ein gutes, seriöses Stück sang Max Mutzke im Auftrag Raabs, der aber für viele ungerecht viel zu weit hinten landete.

Der Entertainer wurde oft belächelt, schaffte aber mit seinen Stars Platzierungen, von denen die „Ralph-Siegel-Connection“ nach Nicole nur noch träumen konnte. Selbst der „Mitleid-Faktor“ mit Corinna May schlug für den ehemaligen Sieger-Autoren nicht zu Buche und sie landete abgeschlagen unter „Ferner liefen“. Fünfmal verließ Deutschland als Schlusslicht den Ring und Ralph Siegel scheiterte ein ums andere Mal.

Raab gab nicht auf und pushte Lena mit „Satellite“, einem von Julie Frost und John Gordon komponierten Titel zuerst auf die Pole-Position in Deutschland, um dann Europa zu erobern.

Die Zuschauer konnten sich dem jugendlichen Charme der Hannoveranerin nicht entziehen und „Satellite“ war ein Ohrwurm par excellance.

Gleich nach dem Gewinn des Contests kam Stefan Raab auf die Idee, Lena auch in diesem Jahr ins „Schlager-Orbit“ zu schießen, allerdings dieses Mal ohne Satellit. Aus verschiedenen Titeln wurde in einer „One-Woman-Show“ derjenige ausgewählt, mit dem Lena erneut den europäischen Schlager-Thron besteigen soll. Die Auswahl fiel auf „Taken by a Stranger“.

Nun stellt sich ganz Deutschland die Frage, ob das gut gehen kann.

Beim ersten Sieg der unbeschwerten „Voll-krass-cool-Lena“ kamen viele Faktoren zusammen, die den Sieg begünstigten.

Die lockere Art, das mädchenhafte und doch aufregende Auftreten, und nicht zuletzt ein Song, der unter dem Schlager-Allerlei einfach ein Ohrwurm-Potential hatte wie kein zweiter. Keiner konnte sich „Satellite“ entziehen, auch wenn Lenas Art zu singen so manchem Englischlehrer graue Haare wachsen ließ.

Doch kann das wieder klappen?

Viele Musikexperten zweifeln daran und fürchten, dass der Glanz, den sich Lena sicherlich verdient hat, mit einem neuerlichen Auftritt verblassen wird.

Thomas Stein, der Musikproduzent aus der „DSDS-Jury“ befürchtet gar, dass Lena Probleme haben wird, ihre Konzerthallen komplett zu füllen.

Bei einem Auftritt, wie es der „Grand Prix“ verlangt, hat man nur eine Chance. Wenn sich ein Lied nicht sofort in die Gehörgänge bohrt, wird es sehr schwer. Bestes Beispiel ist eben „Satellite“ oder „Fairytale“ von Alexander Ryback, der den Wettbewerb 2009 mit einem Rekordergebnis gewinnen konnte.

Lena wird den „Ach-ist-die-schnuckelig-Bonus“ nicht mehr an ihrer Seite haben und läuft Gefahr, mit einer schlechten Platzierung abzuschneiden.

Sollte dies der Fall sein, wird niemand mehr über den Sieg ein Jahr zuvor reden. Sie wird als Loserin abgestempelt werden, die ihren Titel nicht verteidigen konnte. Raab spielt hier mit dem Feuer, in dem ein unbekümmertes Mädel verbrennen könnte.

Außerdem lastet über dem „Eurovision Song Contest“ schon seit Jahren der Ruf, dass sich gewisse Staaten gerne mal die Punkte gegenseitig zuschieben. Hat man da keinen Song, der die Zuschauer dermaßen „flasht“ wie Satellite ist es fast unmöglich, die vorderen Ränge zu erreichen.

Da es hierzulande wohl nicht mehr ohne Raab zu gehen scheint, wird dieser die Show wohl auch moderieren. Ihm zur Seite steht Anke Engelke. Es bleibt abzuwarten, ob dieses Team die Seriösität ausstrahlen kann, die damals z. B. von einer Desiree Nosbusch ausging. Diese war mit ihren Fähigkeiten der Fremdsprachenbeherrschung ideal für diese Aufgabe.

Bei Raab hat man ein wenig den Eindruck, dass er nicht weiß, wann er aufhören muss.

Es bleibt zu hoffen, dass Lena ihre super Leistung von 2010 bestätigen kann, wiederholen wird sie es nicht.

Sollte sie jedoch nach ihrem „Satellite“ aus dem Hit-Orbit abstürzen, wird niemand mehr die Siegerin im Kopf haben, sondern die Sängerin, die sich im eigenen Land blamierte. Stefan Raab hatte bisher die Hand des Midas und verwandelt alles in Gold, was er berührt. Hoffen wir, dass er sich jetzt nicht verzockt.

Es wäre nach dem Hit von Abba das zweite „Waterloo“, dieses Mal jedoch mit deutscher Beteiligung.

Wünschen wir uns, dass es anders ausgeht…

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Comments (1)

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  1. Abt sagt:

    Gebt mal dem Herrn Stein den dringenden Rat -und anderen gleich mit- sich mal bei Eventim, das ist der Kartenverkäufer, kundig zu machen, wie der Kartenverkauf für Lena-Live-Tour 2011 tatsächlich läuft. Der Wunsch als Vater des Gedanken hat noch nie zu Gutem geführt. 70 – 80 % sind bereits verkauft. In einigen Hallen nur noch wenige oder keine Sitzplätze mehr u.s.w. Als schleppend ist das nun wirklich nicht zu bezeichnen, oder?