„Hier ist Missoncommand, Delta 4 sie haben Startfreigabe auf Landebahn x2“

Seit einigen Tagen nun besitze ich das Spiel „Hawx 2“ aus dem Hause Ubisoft und muss sagen, liebes Ubisoft Team „bitte nachbessern“ bzw. „bitte erneuern“.

Das Spiel im Allgemeinen

Wenn man sich mit dem Vorgänger Hawx auseinandergesetzt hat, und sich erstmal mit dem wichtigsten vertraut machte, so sei gesagt „vergesst alles wieder“, denn was Ubisoft sich da geleistet hat, ist keine Fortsetzung sondern ein Sprung nach hinten.

Gameplay-technisch hat sich bis auf einige Neuerungen an den Waffen und den Möglichkeiten diese einzusetzen nicht viel getan oder anders gesagt es wurde einige „geändert“. Hatte man im 1 Teil noch die Möglichkeit(en) sich das passende Flugzeug für die bevorstehende Mission auszusuchen, so wird man nun damit bestraft dass einem das nun vorgegeben wird, und man damit nun zurechtkommen muss ob man will oder nicht!

Gab es im ersten teil auch noch die Möglichkeiten sich die Waffen für den Einsatz zurechtzulegen so wird auch dieses nicht mehr gestattet und auch hier „linear“ vorgegeben.

„Mal davon abgesehen, dass sich die Waffen in dieser Fortsetzung von denen im ersten Teil nicht unterscheiden, ist das auch hier ein deutlicher Sprung nach hinten“

Was die Flugphysik und die Engine im Allgemeinen angeht, so ist wenigstens das (wenn auch nur zum Teil) geblieben, und wirkt wie auch schon zuvor Real und einfach klasse. Aber auch hier muss deutlich nachgebessert werden, denn eine F16-Falcon fliegt sich in diesem Teil genau wie ein B22 oder eine A-206er, oder andersrum gesagt, eine Havoc mit einem Gewicht von fast 23-Tonnen ist in realer Weise nicht dazu fähig einen Wingfall „Sturzflug ohne Turbine und dann abfangen knapp über den Boden“ zu überleben. In dieser Fortsetzung allerdings schon, so ist es auch möglich mit dieser Maschine eine Steigfähigkeit von fast 90° hinzubekommen und das bei fast „Mach1“.

„ Mal ehrlich liebe Ubisoft-Tüftler, habt ihr schon mal eine Brieftaube gesehen, die es schafft im Sturzflug *nach oben* einen Falken zu überholen? Nein?….eben Ich auch nicht“

Was im ersten Teil noch technisch gut umgesetzt war (wenn man da solche Kunststücke versuchte gab es einen „Stall“ oder einen Absturz), ist in diesem Sequell einfach nur „dahin geworfen“, um schnell einen Nachfolger zu präsentieren.

Das Gameplay im Allgemeinen

Wenn man die Steuerung aus dem ersten Teil beherrscht, so kann man gleich losstarten und dort weitermachen wo man bei „Hawx“ aufhörte.

Dogfights in super Ansicht, Bombardierungen mit „Knalleffekt“, oder aber auch Straßenflüge incl. Verfolgungsjagden in bester Sattelitenqualität . Was die Wiedergabe an Details angeht, so ist „Hawx 2“ auch wieder das Maß aller Dinge. Keine Spielgrafik ist so Detailliert und Authentisch wie eben hier.

Echte Sattelitenbilder von den größten Städten (Washington, Paris, London um nur ein paar zu nennen) machen es zu einem Augenschmaus dort entlang zu fliegen und (wenn man nicht grade von feindlichen Mig´s verfolgt wird) die Bilder bzw. die Aussicht zu genießen.

Was die Aufträge bzw. die Erledigung als solches angeht, so muss man leider sagen das auch hier ordentlich „gepatzt“ wurde, weil grade dieses im ersten Hawx einen großen Anteil an der ohnehin schon hohen Realitätsnähe hatte, wurde hier darauf verzichtet dort weiter zu machen.

Die Aufträge sind zwar gut durchdacht und auch dargestellt, so fehlt es aber in den Aufträgen selber an Abwechslung und Niveau! War es im ersten Teil noch Möglich mit seinen „Wingmans“ (Flügelmänner) gezielt auf ein Ziel sich zu fixieren oder aber seine beiden „Kumpels“ alleine auf ein Ziel zu richten, um sich selber etwa um ein anderes „wichtiges“ Primärziel zu kümmern, so wurde das komplett gestrichen, und endet oft in einem wirren „umherfliegen“ im Kreise von zig „Gegnern“, die dann auch noch nicht mal „menschlich gesehen“ agieren, sondern der „Reihe nach“ angreifen und bei einem aktiven Fight schön im Hintergrund bleiben und warten! (nach dem Motto „Der nächste bitte“).

Dies war aber im ersten Teil wunderbar gelöst und durchdacht gewesen, und hatte den Spielspass und die Langzeitmotivation erhalten und sogar gesteigert, weil eben taktisches Vorgehen (wie man es eigentlich auch nicht anders kennt bei Tom Clancy) sowie die Umsichtigkeit im Spiel ein muss war! Hier wurde leider mehr Wert auf den Arcarde-Teil gelegt und viel Realismus weggelassen um eine schnellere Spielweise und ein schnelleres „Durchspielen“ zu gewährleisten.

Was im ersten Teil mit fast „ 15 Std.“ Spielzeit zu bewältigen war, ist in „Hawx 2“ nun in 5 ½! Stunden machbar und erledigt. Dort sieht man schon die Unterschiede und wohin das ganze eigentlich gedacht war.

Die Flugzeuge im Allgemeinen

Es gibt wieder eine reichliche Auswahl der aktuellsten und auch Prototype ähnlichen Flugzeuge die von einer „normalen“ F-18 Super Hornet bis hin zum F-22 Stealth Concires (Prototype) reicht, doch wurden diese Flugzeuge aus dem ersten Spiel einfach adaptiert und nicht neu entworfen bzw. neu gestaltet. Einzig die Bomber in diesem Spiel sind neu hinzugekommen, und wenn auch nur kurzfristig einsetzbar (in 2 – 3 Missionen) dennoch Detailgetreu und liebevoll entworfen und grafisch umgesetzt.

Es wurden auch Flugzeuge aus aller Welt importiert (wie schon im ersten Teil), doch wurden hier die verschiedenen Cockpitansichten zu oft wiederholt, sodass sich das Cockpit einer F-16 Falcon und einer SU-35 bis aufs Nägelchen gleichen, was in der realen Welt leider nicht so ist. Auch hier bitte „nachbessern“, denn wenn schon Realismus als Zugpferd dienen soll, dann bitte auch richtig und nicht nur „versuchen“

Der Koop und Onlinemodus

Schön durchdacht war der erste Teil der „Hawx“ Serie noch das man im Koop-Modus mit bis zu 8 Freunden gleichzeitig jeweils 1 Flugzeug steuern konnte um gegen 8 andere Mitstreiter aus dem gegnerischen Team anzutreten, um Ranglistenpunkte zu erreichen und somit neue Erfahrungspunkte zu bekommen was wiederum neue Flugzeuge und Waffen Freischalten lies.

In „Hawx 2“ wiederum ist der Koop-Modus geblieben, aber um eine „Sache“ erweitert und auch hier wieder degradiert worden. Der „Koop-Modus mit einem Bomber“…..

Wenn man zu zweit in einem der vielen Möglichen Bomber sitzt, hat man die Chance sich das Geschehen zu teilen und „gemeinsam“ einen Auftrag oder eine „Einzelmission“ zu spielen und zu gewinnen. Aber: Wie bitte schön soll man das schaffen, wenn man im LAN oder PSN sich ein Flugzeug teilt, der eine fliegt und schießt, und beim Bombeneinsatz der andere Spieler das Kommando übernimmt den Bombenschat öffnet und im rechten Moment die Feuertaste drückt, aber der andere Spieler weder eingreifen noch helfen kann, sondern zuschauen muss bis der zweite Mitspieler „fertig“ ist? Wo sitzt darin der Sinn bzw. was hat Ubisoft sich dabei gedacht?

Also auf diesen Modus hätten sie gerne verzichten können, weil dies nun mal gar nicht Real und auch Zeitgemäß ist, hätte man lieber den Modus so gestaltet, das der zweite Spieler die Bomben abwerfen kann, aber der andere Spieler immer noch die Kontrolle über das Flugzeug hat, und sich (und seinen Partner) somit aus brenzligen Situationen retten kann.

Dies bleibt wohl das Geheimnis von Ubisoft, weil eine Erklärung zu diesem „vermurksten“ Spieleinsatz bis Heute aussteht bzw. keine Erklärung darüber verfügbar ist!

Zu gute halten muss man aber noch, dass es weiter möglich ist schwierige Missionen (okay es sind vielleicht 2 oder 3 stk. davon) mit Freunden Online zu bewältigen um im eigentlichen Spiel weiterzukommen, was aber weniger Erfahrungspunkte und Abschüsse bringt, da der andere ja auch „mitspielt“ und Gegner jagt und abschießt, um seinerseits auch Punkte und Erfahrung zu bekommen.

Die Neuerungen im Spiel

Ja es gibt auch was Neues in „Hawx 2“ was es so noch nicht gab aus dem Hause Ubisoft.

Zum einen wäre da die Möglichkeit nun an beliebiger Stelle (sofern vorhanden) auf einem Flugzeugträger oder einer Landebahn zu landen und zu starten, um seinen Waffenvorrat zu erneuern und/oder seine Maschine zu reparieren, zum anderen gibt es nun die Möglichkeit sein Fluggerät in der Luft zu betanken, und somit einen neuen Spielfluss zu bewältigen.

Der Sprit geht einem aus!

Was im ersten Teil nicht möglich war, ist nun Wirklichkeit geworden, Die Maschine verbraucht in vielen Missionen (nicht in allen) Kerosin, und das nicht wenig. Grade bei anstrengenden Luftkämpfen, dauerhaftem beschleunigen und steilen Sink und Steigflügen, verbraucht dein Flugzeug nun „endlich“ Sprit, was einem noch mehr Realität verschaffen soll, aber das Auftanken in der Luft erweist sich leider als Nerven und Geduldsprobe , so ist es in 8 von 10 Fällen nicht möglich das kleine Loch zu treffen was den Tankstutzen darstellen soll, und es droht der vermeintliche Crash am Boden.

Das ganze mit dem Auftanken unter Zeitdruck zu bewältigen kommt noch erschwerend hinzu. Es bleiben einem bei dem Auftankversuch grade mal 1 Minute zeit um das „Runde in das Eckige“ zu bekommen, danach wird der Versuch abgebrochen, und der Tanker verschwindet und man muss erneut einen finden und erneut anfliegen.

„Bei 100 l Reserve und einem Verbrauch von 50l die Minute ein sehr knappes Unterfangen“

Auch Neu hinzugekommen ist der sog. „Drohnenmodus“

In diesem spielt der Spieler eine „Ziel-Such-Drohne“, die im nächtlichen Zielgebiet umherfliegt und Ziele für die Bomber markiert um dann später einen gut geplanten Bombenangriff starten zu können.

Mehr als ein Point-2-Klick Adventure mit einer Scrollahnlichen Manier ist es aber leider nicht geworden, und bleibt somit auch eines der „unnützen“ Dinge in diesem Spiel.

Als einzig wirklich gute Neuerung (auch die gibt es ja), ist es nun möglich Radargelenkte Raketen auf weite Entfernung einzusetzen, und sie auch noch im Fluge zu verfolgen, was einen schönen Eindruck vermittelt und realitätsnah rüberkommt. Jetzt werden viele sagen „aber das gab es auch im ersten Teil von Hawx“, das stimmt, nur jetzt ist es auch möglich Raketen aus großer Distanz zum Ziel (ohne Aufschaltung) abzufeuern und diese Raketen selber zu lenken, und somit ein wenig mehr Action in die Sache zu bringen.

Fazit

„Hawx 2“ reiht sich natürlich in die Riege der „guten“ Simulationsspiele ein, verbucht aber mit seinen „Einbrüchen“ in Sachen „Realität, Spielfreude und Sinn“ herbe Rückschläge in Sachen Simulation.

Die Umsetzung als ganzes betrachtet, ist wieder mal gut gelungen, und würde es Teil 1 nicht geben, so wäre es wahrscheinlich eines der besten Spiele im Moment, aber eben nur fast, denn Teil 1 ist nach dem nun „Hawx 2“ erschienen ist weiterhin der Maßstab und die Meßlatte in Sachen Realismus und Spielfreude sowie ein Meilenstein in Sachen Luftkampf.

Es kann sich getrost mit „ACE-Combat“ oder aber „Ace of Aces“ oder aber auch mit „F-18 Super Falcon“ messen und genannt werden.

Aber vergessen darf man leider nicht die vielen kleinen Sachen die einem wirklich die Spielfreude verderben. Es sind für einen zweiten Teil einfach zu viele Schnitzer und Pannen, die man im ersten nicht machte, was einen Titel wie „würdiger Nachfolger“ nur schwer zugestehen lässt.

Die Aufstiegsmöglichkeiten und Erfahrungspunkte sind geblieben, sowie auch die Möglichkeit neue Flugzeuge zu bekommen je höher der Rang und die Punkte, aber eben immer nur der Reihe nach und auch nur dann für die jeweilige kommende Mission und nicht zu freien Verfügung.

Was das Online Spiel angeht so ist es hier zwar gleich geblieben, aber aufgrund der Einschränkungen der Flugphysik und des Spaßfaktors eben am „Fliegen“, nur noch Nebensache geworden.

Gut es macht Spaß mit bis zu 8 Leuten Gleichzeitig sich einen brennenden Luftkampf zu liefern, dennoch bleibt der bittere Nachgeschmack in den Augen des Spielers erhalten

„Wenn eine Brieftaube an einem Falken mit Mach 1,2 vorbeifliegt oder ihn gar einholt und dann auch noch mit einem waghalsigen Manöver den Falken vom Himmel holt“