Immer mehr lesen die Fußballfans in Deutschland von neueren Unverschämtheiten, die sich Profis in der deutschen Bundesliga erlauben und können nur noch ungläubig den Kopf schütteln.

Namen wie Demba Ba, Ruud van Nistelrooy und Edin Dzeko elektrisieren im Moment die Fans. Dabei ist es nicht ihre Spielweise, die die Fußballbegeisterten in Wallung bringt, sondern viel mehr die Art und Weise, wie sie sich ihrem Verein gegenüber verhalten. Loyalität dem Wappen gegenüber, das sie auf dem Trikot tragen scheinen die meisten Profis mittlerweile nicht mehr als wichtig zu erachten. Sie werden immer mehr zu Söldnern, die dort spielen, wo mit den meisten Scheinen gewunken wird. Verträge scheinen nicht mehr das Papier wert zu sein, auf denen sie gedruckt sind.

Aber war das immer so…?

Sicherlich haben Fußballer immer davon geträumt, bei größeren Vereinen anzuheuern, was auch durchaus legitim und nicht verwerflich ist. Günther Netzer, Franz Beckenbauer, Uli Stielike und auch Bernd Schuster waren alle große deutsche Spieler, die es auch in ausländische Top-Ligen zog und die dort sehr erfolgreich waren. Natürlich lockte auch damals nicht nur der Name der großen Vereine, sondern nicht minder das große Geld. Auch damals träumten die Spieler davon, in Vereinen wie Real Madrid zu spielen und nebenbei finanziell ausgesorgt zu haben. Anders als heute hielt man sich aber an einen gewissen „Ehrenkodex“.

Was war damals anders…?

Der große Unterschied zu damals ist wohl in der Vereins- und Vertragstreue zu suchen. Große Spieler wie die oben genannten, gingen in Absprache mit ihrem Arbeitgeber zu anderen Vereinen und hielten sich an abgeschlossene Verträge. Dies ist leider nicht mehr so.

Heute kokettieren die Spieler öffentlich mit anderen Vereinen, während sie noch in einem regulären und vertraglich geregelten Arbeitsverhältnis mit den Vereinen stehen, bei denen sie spielen und Geld verdienen. Niemand hat vergessen, wie ein Rafael van der Vaart in einem Trikot des FC Valencia posierte, während er noch beim Hamburger SV unter Vertrag stand.

Man stelle sich vor, ein „OBI“-Mitarbeiter geht mit einem „Bauhaus“-Shirt zur Arbeit.

Mittlerweile versuchen die Spieler gar, ihre Arbeitgeber durch Arbeitsverweigerung zu erpressen. Bestes Beispiel in der jüngsten Zeit ist hier wohl der Hoffenheimer Demba Ba, der ankündigte, den Spielbetrieb einzustellen, wenn er nicht wechseln darf. Auch Edin Dzeko marschierte nur noch lustlos über den Platz, bis der Wechsel von Wolfsburg zu Manchester City klar gemacht wurde.

Zwar waren früher auch Rebellen auf dem Platz, man denke da nur an Günter Netzer, der sich kurzerhand selber einwechselte, aber es galt der Grundsatz „Ein Mann, ein Wort“ und Verträge wurden eingehalten.

Doch es gibt auch Profis der jüngeren Geschichte, die charakterlich einwandfrei agierten und deren Verträge sogar per Handschlag verlängert werden konnten. Beispiele hierfür waren die Münchner Mehmet Scholl und Oliver Kahn. Mehmet Scholl schaffte es gar, seinem Manager bei seinem Abschied Tränen in die Augen zu treiben und ihn von den Vertragsverhandlungen schwärmen zu lassen.

Wo sind die Gründe für den Wandel der Moral zu suchen…?

Eine wensentliche Ursache ist sicherlich das 1995 gefällte „Bosman-Urteil“, nach dem für einen Spieler nach Ablauf seiner Vertragszeit keine Ablöse verlangt werden darf. Damit wurden die Vereine mit einem Schlag erpressbar durch die Spieler. Wird dieser nicht vor Ablauf der Vertragszeit verkauft, verdient der Verein nichts. Besteht der Verein auf Vertragseinhaltung, kassiert der Spieler meist bei einem Wechsel ein lukratives Handgeld.

Der wichtigste Grund ist sicherlich im finanziellen Bereich zu suchen. Dabei sind es nicht einmal nur die Spieler, die hier das Zünglein an der Waage sind. Fußball ist ein Millionengeschäft, vor allem für die zahlreichen Berater, durch die Profis vermittelt werden. Solange ein Spieler bei einem Verein bleibt, verdient der Vermittler nichts. Bei einem lukrativen Wechsel macht auch der Berater einen fetten Reibach.

Ein weiterer Aspekt ist die fehlende Identifikation der Spieler mit dem Verein und dessen Geschichte. Beim aktuellen Champions-League-Sieger Inter Mailand spielte zeitweise nicht ein Italiener in der Startelf. Man sieht also, dass viele Vereine die Top-Spieler der Welt zusammenkaufen und wenig mit eigenem Nachwuchs arbeiten. Außnahmen gibt es jedoch auch, wie Iker Cassillas bei Real Madrid beweist. Interessanterweise sind es dann gerade diese Spieler, die dem Verein die Treue halten. Wie z. B. Philip Lahm, Bastian Schweinsteiger oder Thomas Müller (Wobei diese sicherlich auch dafür gesorgt haben, dass es für eine regelmäßige warme Mahlzeit reicht). Im Großen und Ganzen ist es aber so, dass die Spieler wegen des sich abzeichnenden Erfolges von Vereinen wie Barcelona oder Madrid oder der immensen Summen, die an Gehältern gezahlt werden, den Verein wechseln.

Den Vereinen sind auf zwei Arten die Hände gebunden. Halten sie den Spieler bis zum Vertragsende, kann er ablösefrei wechseln und verdient dabei noch durch immense Handgelder, der Verein geht dabei leer aus. Setzen sie ihn auf die Tribüne, bekommt er weiter sein Geld und kann irgendwann doch wechseln. Eine fristlose Kündigung ist nicht möglich, weil dann die Ablösesumme weg wäre und der Verein sich am Ende doch selber schädigt. Somit hat ein wechselwilliger Spieler alle Fäden in der Hand und kann schalten und walten, wie er will.

Wie kann man dieser momentanen Mode des Vertragsbruchs entgegenwirken…?

Die entscheidenden Gremien, allen voran die FIFA sollten Spieler, die das oben genannte Verhalten an den Tag legen, mit Sperren belegen. Es kann nicht sein, dass ein Verein, der den Spieler auf der Gehaltsliste hat, mit Arbeitsverweigerung oder verlängertem Urlaub erpresst wird.

Den Spielern muss klargemacht werden, dass Aussagen wie „Eigentlich möchte ich lieber dort spielen“ mit harten Sanktionen bestraft werden. Auch die Vorbereitung eines Vertragsbruches durch Äußerungen und Andeutungen können nicht geduldet und müssen schon im Keim erstickt werden.

Aber auch den Vereinen muss klar sein, dass nicht mit Spielern offiziell verhandelt werden darf, die noch in einem regulären Arbeitsverhältnis stehen. Zumindest nicht ohne Zustimmung des Arbeitgebers und nicht über die Öffentlichkeit. Sicherlich darf ein Spieler Verhandlungen im Geheimen führen und dies wurde sicher auch früher so gehandhabt. Es darf aber nicht dazu führen, dass Vereine erpresst und öffentlich bloßgestellt werden.

Bleibt die Frage, ob solche Regelungen von der FIFA zu erwarten sind.

Einem Verband, der von starrköpfigen, senilen Funktionären und Lobbyisten geführt wird. Einem Verband, der in einem WM-Turnier in Südafrika drittklassige Schiedsrichter aus Saudi-Arabien eingesetzt hat. Einem Verband, der selbst mit Bestechungsvorwürfen zu kämpfen hat und der das größte Sportfest der Welt 2022 mit Katar an einen Ausrichter vergeben hat, der mit Fußball so viel zu tun hat, wie Gina Wild mit dem Zölibat…