Die neue Bambi Gala ging gestern Abend zu Ende und es wurde wieder einmal ein voller Erfolg, ein Erfolg? Wenn man mal von der vollkommenen Moderatoren Pleite absieht. Die schafft es schließlich immer wieder, Preisverleihungen an sich selbst mit einer ordentlichen Portion Selbsthass ungenießbar zu machen – oder auch einfach nur langweilig. Aber dann kam der Hausherr himself Hubert Burda mit seinem Neuerfundenen goldenen Rehkitz um die Ecke. „Es geht darum, Bilder zu schaffen, die jeder versteht„, hat der Über-Verleger und Kunsthistoriker einmal gesagt. Der Donnerstagabend in der Metropolis-Halle in Potsdam stand unter dem Motto: Wir haben verstanden. ( oder doch nicht ?)

Das ist mein dritter Bambi, und dieser hier ist wirklich außergewöhnlich gelungen“, meinte so auch TV-Moderator Frank Plasberg. Ebenso „Germanys Next Topmodel“ Barbara Meier war beeindruckt: „Es hat wirklich alles gepasst“. Die in Deutschland sehr bekannte Schauspielerin Jasmin Tabatabei fand die Gala besonders glamourös und aber auch kurzweilig. Produzentin und Joschka-Fischer-Gattin Minu Barati fiel auf, dass sie „besonders gut durchorganisiert und weniger katastrophal wie die letzte“ gewesen sei. Barbara Schöneberger war zufrieden. Und sogar Ober-Rocker Udo Lindenberg freute sich: „Das war schön locker.“

Was war denn nun genau passiert und warum wurde es so anders?

Der neue Bambi

Die Neuerfindung war gleich zu Beginn hörbar: Die am roten Teppich wartenden Journalisten wurden von Ambientmusik mit Vogelgezwitscher berieselt, von der manche fürchteten, dass sie damit wohl in Trance versetzt werden sollten, um eine bessere Geschichte zu8 schreiben, aber das war zum späteren Verlauf der Verleihung allen klar das dies nicht nötig gewesen wäre. Ausstellen konnte man sie jedenfalls nicht, denn laut Organisation gehörte sie zum „Gesamtkunstwerk“ Bambi 2010. Das Rehkitz ist ein Gesamtkunstwerk? Was damit gemeint war, bekamen die anwesenden 860 Gäste und hunderte Journalisten kurz darauf zu sehen: eine perfekte Mischung aus Glamour, Emotionalität und Bedeutung – und das Ganze ohne die sonst so gern für Häme sorgende Moderation und Moderatoren.

Der Glamour – Faktor ( oder war es Bling Bling?)

Gleich zu Beginn kam der „Sex and the City-Star schlechthin, Sarah Jessica Parker auf die Bühne und begrüßte den Saal in charmant deutsch-englischem Kauderwelsch. Die Simultanübersetzung war gewöhnungsbedürftig, aber man gewöhnt sich ja an alles. Traurig, aber wahr: Eine Carrie Bradshaw-Parker verströmt mehr Glamour als Veronica Ferres, Uschi Glas und Franziska Knuppe zusammen, und die gelten als Top-Riege der Deutschen Stars? Aber egal. Parker war da und jeder und sie selber strahlten. Und das Strahlen überdauerte sogar Comedian Michael Mittermeier.

Es wurde weitergereicht von Gummihüfte Shakira (Ihr wisst schon „Wakka Wakka“) an Udo Lindenberg (Hat den Bambi für sein Lebenswerk ja da schon erhalten). Ging vom Papa des Rock an die Göre des Pop: Beth Ditto von Gossip (von Laudator Karl Lagerfeld liebevoll „strammer Brummer“ oder „Mode-Polle“ genannt). Nach ein bisschen Strahl-Ping-Pong mit dem großen Karl ging es an Hollywoodstar – Frauen-schmachten-nach-Mir Orlando Bloom („Der Herr der Ringe“, „Fluch der Karibik“), dessen warmer Blick unter braunen Locken viele Frauenhirne auf Standby oder gar ab-schalten ließ, dabei nahm er doch den Charity-Bambi für seine Arbeit mit dem Kinderhilfswerk UNICEF entgegen.

Er strahlte trotzdem weiter, bis Nazan Eckes mit dem tiefsten Dekolletee des Abends (und das war das tiefste meine Herren) und mit klaren Worten zur Integration Sarrazin vergessen machte, um das Strahlen dann elegant an Sarah Jessica Parker zurückzuspielen.

Sarah Jessica Parker überreicht Hannah Herzsprung den Bambi für die beste Schauspielerin der Kategorie „ national“.

Die Emotionalität (das Gefühl würde Boris Becker sagen)

Glamour allein macht aber noch keine gute Show. So lautet der Einsatz für die emotionalen Erschütterungen: Sei es der Auftritt von Unheilig (nominiert und ausgezeichnet mit dem Bambi „beste Pop-Band International“) mit den Adoro-Opernsängern und einem Kinderchor die zusammen eine wunderschöne Version von „Geboren um zu leben“ abgaben.. Anna Loos‘ wunderbar persönliche Laudatio für Alt-Rocker Udo Lindenberg. Der im Saal fühlbare Respekt, als der verstorbene Christoph Schlingensief mit dem Kultur-Bambi posthum ausgezeichnet wurde. Und schließlich das zuweilen aus der Schüchternheit ausbrechende Lächeln des unglaublich nervösen Fussballnationalspielers „unser“ Mesut Özil (Bambi für Integration und als Mitglied von Jogi Löws Truppe).Insgesamt wurden alle Spieler ausgezeichnet und auch Jogi, nahmen aber stellvertretend den Bambi für alle anderen entgegen. Aber auch da war Bambi noch nicht fertig.

Die Bedeutung des Bambis für Jedermann

Die fast drei Stunden dauernde Gala war schließlich perfekt, weil sie tatsächlich auch von Bedeutung war: der Bambi für die blinde Biatlethin und Paralympics-Gewinnerin Verena Bentele war eine Sensation Ihresgleichen. Der Bambi für unsere „stillen Helden“: Das sind drei Menschen aus dem Alltag heraus, die in Katastrophengebieten wie Haiti oder Pakistan gefahren sind, Hilfe anbieten um Verschüttete zu finden oder sauberes Trinkwasser bereit und her-zu stellen. Eine Spende von 120.000 Euro ging an eine Frau, die sich um Kinder mit Amputationen liebevoll kümmert und diese auch pflegt. Sowie schließlich der Millenniums-Bambi für den „Architekten der deutschen Einheit“, den 83-jährigen Hans-Dietrich Genscher (unser ehemaliger Außenminister der „Genschman“, der mit seiner Begeisterung ein wenig den Partyrahmen sprengte und es plötzlich auf einmal um den Frieden in Europa und auch der Welt ging. Zwei Standing Ovations bekam der Politiker aus dem letzten Jahrtausend. Überhaupt war der Bambi 2010 der Abend der stehenden Ovationen. Zuweilen sah es schon nach Sport in Abendkleidung aus. (Was aber auch einen gewissen Glamour hatte)

Das Ende naht…

Und dann war die Verleihung auch schon zu Ende bevor sie eigentlich richtig begonnen hatte sagten viele. Man wunderte sich, dass es überhaupt nicht langweilig, öde oder gar Monoton war, und die Menge strömte zur After Show-Party. „Nimm‘ dein Dekolletee und los, komm'“, lautete das beste Zitat auf dem Damen Klo. Das beste Zitat des Abends stammte allerdings vom Bambi-Hausherrn selbst: „Please relax tonight, gell?!“, wünschte sich Hubert Burda von seinem Publikum und Preisträgern, kurz bevor Sarah Jessica Parker mit dem Strahlen anfing und alle Menschen im Saal Seelig den Klängen von Unheilig lauschten, die zusammen mit….ähm das sagte Ich ja bereits . Also bis zum nächsten Mal wenn es wieder heißt: „Der Bambi 2011 geht an…“